Grußwort des Pfarrers im Herbst 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

„Heute einen Krieg beenden.“

Die Bußtagskampagne 2018 stapelt ganz schön hoch! Als ob unsereiner in der Lage wäre, der Kriege dieser Welt zu wehren oder zu steuern. Sind wir doch eher ohnmächtig und fassungslos, wenn wir die Nachrichten der diversen Kriegsschauplätze hören, lesen oder schauen. Wie sollen wir da etwas gegen tun können?

Vielleicht müssen wir uns zunächst einmal das Motiv der Kampagne genauer ansehen: Da ist die ausgestreckte Hand, die mir entgegen kommt. Die mir Versöhnung, Entschuldigung, ja: Frieden anbietet. Wir kennen diese Hand von unzähligen Begrüßungen und Verabschiedungen. Und eben vom Sich-Wieder-Vertragen.

Mit dem Motiv der Hand gelangen wir von den großen Kriegen ganz leicht zu den kleinen, aber zermürbenden Dauerkriegsschauplätzen der Menschheit: Ehekriege, zerrüttete Familien, zerstrittene Freunde, Krieg am Arbeitsplatz, Stress in der Schule.

Wir merken: Die Kampagne ist doch nicht so abgehoben, wie sie auf den ersten Blick schien. Wir sind unmittelbar gemeint und angesprochen. Mit unserem Leben und seinen Konflikten und Kriegen.

Schön ist: Die Welt ist in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten tatsächlich immer friedlicher geworden. Und zwar wirklich rund um den Erdball, wie der viel zu früh verstorbene Wissenschaftsjournalist Hans Rosling in seinem empfehlenswerten Buch „Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“ (24,-€) nachgewiesen hat.

Wir leben in der gewalt- und kriegsfreiesten Epoche der Menschheit — auch wenn uns das durch viele negative Schlagzeilen anders erscheint. So ist z.B. die Wahrscheinlichkeit, heutzutage aufgrund eines Gewaltverbrechens zu sterben, äußerst gering im Vergleich zu allen anderen Epochen der Menschheit.

Mich persönlich stimmen solche positiven Nachrichten froh: Es ist, als ob sich die Botschaft von Jesus über das anbrechende Reich Gottes tatsächlich hier auf Erden verwirklicht.

Sicher: Bis zur Vollendung ist es noch ein weiter Weg! Nach wie vor gibt es sehr schlimme Dinge, die wir unbedingt verhindern müssen.

Vielleicht werden wir gerade deshalb zum diesjährigen Bußtag aufgerufen, heute zumindest einen Krieg zu beenden.

Ihr


Pfarrer Marvin Lange