Neun Iraner im Gottesdienst getauft

Von der Verfolgung in der neuen Heimat
An den beiden vergangenen Wochenenden roch es im Bonhoeffer-Haus und in der Johanneskirche Petersberg nach persischen Köstlichkeiten. Neun persische Täuflinge kochten und brieten jeweils den gesamten Samstag über ein orientalisches Mittagessen, um tags darauf das Sakrament der Taufe zu empfangen und hinterher mit und in den beiden Kirchengemeinden zu feiern. Vorangegangen war ein Glaubenskurs, der sich speziell an persisch sprechende Flüchtlinge richtete.

Seit März trafen sich diese wöchentlich mit Pfarrer Christian Pfeifer (Johanneskirche Petersberg) und Pfarrer Marvin Lange (Bonhoeffergemeinde Fulda), um über die wichtigsten Elemente des christlichen Glaubens zu besprechen. Abendmahl, Bibel, Taufe, Feste des Kirchenjahres bildeten etwa einen Ausschnitt der vielfältigen Programmes, die die beiden Theologen für die Flüchtlinge aus dem Iran bereithielten.
In seiner Predigt lobte Lange die hohe Motivation der neuen Christen, sich ins Gemeindeleben einzubringen. Und Pfeifer betont: „Die neu Getauften sind eine echte Bereicherung fürs Gemeindeleben; nehmt sie als Schwestern und Brüder in Christus auf!“ Nachdenklich wurden die alteingesessenen Christen während des Gottesdienstes, als die Theologen in ihrer Predigt von den Mißständen in der Flüchtlingsunterkunft in der Daimler-Benz-Straße erzählten: In der Schule leben die neuen Christinnen und Christen mit Muslimen gemeinsam in Klassenzimmern. Pfarrer Lange (hier die Predigt im Wortlaut): „Die heute hier getauften Iraner werden massiv diskriminiert. Das Recht negativer Religionsfreiheit (frei von der Religion anderer leben zu dürfen) wird mit Füßen getreten. Der Ramadan überschattet alles im Flüchtlingsheim. Die Frauen werden von muslimischen Männern angemacht, sie mögen sich doch islamisch verhüllen. Den Männern wird sehr deutlich nahegelegt, am islamischen Gebet teilzunehmen. Ärger gibt es immer wieder, wenn fastende Muslime am Tag essende Neu-Christen beim Essen und Trinken erwischen. Während der Nacht werden die Lautsprecher aufgedreht, aus denen Koransuren durch die Gänge schallen, so dass an Schlaf da nicht zu denken ist.  Sich zu outen, dass man Christ ist, ist undenkbar und vermutlich sogar gefährlich. Unsere neuen Christen leben ihr Christsein im Verborgenen. Sie kommen heimlich hierher in unsere Kirche, nehmen Umwege in Kauf, wie damals die verfolgte Gemeinde in Rom, um nicht erwischt zu werden.“
Die Polizei, die Pfarrer Lange bereits vor zwei Wochen informiert hat, könne nichts machen; die Ausländerbehörde zeigte sich im Telefonat mit ihm zwar freundlich und kooperativ, die Situation ist aber bis letzten Sonntag nicht wirklich verbessert worden.
Obwohl in unmittelbarer Nachbarschaft Christen diskriminiert werden, weil sie ihre alte Religion, in dem Fall den Islam, hinter sich gelassen haben, wurde in beiden Kirchen bis in den Abend hinein gefeiert. Die Iraner geben sich zuversichtlich und voll Hoffnung: Im Vertrauen auf Jesus Christus werden sie ihren Weg hier in Deutschland finden, auch wenn die Zustände sie schmerzlich an ihr altes Heimatland erinnern.